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SG Kleenheim, Aufsteiger in die 3.Liga Ost der Männer, vor der neuen Saison 2011/12, oben rechts eingefügt: Spieler Steffen Rehorn, Markus Häuser, der zum Trainerstab gehört, Männerwart Volker Glaum, Mannschaftsarzt Dr. Alwin Sauer und Physiotherapeutin Pia Klee. Volkmar Köhler / Foto: Volkmar Köhler (vk) |
Das Abenteuer 3. Liga startet für die Männer der SG Kleenheim
Dass die Kleenheimer nicht alle finanziellen Drahtseilakte in Sachen Personalplanung wie viele Konkurrenten mitmachen, ist hinlänglich bekannt und einer soliden Vereins- und Finanzpolitik geschuldet. Mit dem Dessau-Roßlauer HV, dem EHV Aue, dem HSC 2000 Coburg, der TSG Münster (vormals RheinMain Frankfurt) und dem HC Aschersleben sind fünf ehemalige Zweitligisten im 16-köpfigen Teilnehmerfeld, deren Etat bei den ambitionierten Vereinen besonders Dimensionen angenommen hat, dem gegenüber sich die finanzielle Situation der Kleenheimer wie die einer Schülermannschaft ausnimmt. Ungeachtet dessen will die Mannschaft das „Abenteuer 3. Liga Ost“ angehen.
Immerhin ist erstmals seit Jahren nach der Strukturreform des DHB die Zahl der Absteiger mit drei Mannschaften ganz klar festgelegt.
„Der Aufstieg ist eine totale Überraschung, wir waren die beste Mannschaft in der Oberliga Hessen, unser Ziel kann nur sein, die Klasse zu halten, immerhin können wir auf eine äußerst gewachsene Struktur unserer Mannschaft bauen“, sagte Kleenheims Sportlicher Leiter Christian Straßheim, der auch bekräftigte, „dass es bei uns kein finanzielles Risiko, keine finanziellen Drahtseilakte geben wird“. Im Klartext: Die SG Kleenheim wird den eingeschlagenen Weg, die bisherige Philosophie auch in der dritthöchsten Klasse des Deutschen Handball-Bundes (DHB) weiter beibehalten und am vorhandenen Konzept festhalten. „Das Gros der Mannschaft spielt seit den Minis bzw. der frühesten Jugend bei uns, wir haben das Team immer mal wieder mit Talenten aus dem heimischen Raum ergänzt und verstärkt“ erläutert Straßheim weiter. So sind die Kleenheimer auch nach dem Aufstieg nicht in hektische Personalplanungen verfallen, sondern haben sich nach den vorhandenen finanziellen Resourcen strecken müssen und mit dem 28-jährigen Kreisläufer Magnus Mutschler (TuS Vollnkirchen/ Bezirksliga A) und dem 19-jährigen Rückraum- und Außenspieler Dennis Hopp (A-Jugend TV 05/07 Hüttenberg) nur zwei Spieler verpflichtet, die voll und ganz in das Konzept passen und weil auch beide schon in der Jugend bei der SG Kleenheim gespielt haben, bekannt
sind, was Stärken und Leistungsvermögen angeht.
„Es wird bei uns kein finanzielles Risiko geben, wir gehen diesen Weg auch in der 3. Liga weiter und arbeiten mit eigenen Spielern und Talenten aus der Umgebung“, machte der Sportliche Leiter, der den „Aufstieg der Mannschaft als Riesengeschichte“ bezeichnete, deutlich.
Auch den Kleenheimern wurden meistens „überteuerte“ Spieler angeboten, nur in den wenigsten Fällen wurde überhaupt bei den Verantwortlichen über die eine oder andere Verpflichtung nachgedacht.
Selbst Spieler per Zweitspielrecht von den heimischen Bundesligisten sind von der 1972 gegründeten Spielgemeinschaft, die aus den kleinen Stammvereinen TSV Niederkleen, TSV Oberkleen und TSV Ebersgöns besteht, derzeit finanziell nur schwer zu leisten.
Die erfolgreiche Mannschaft hatte sich nach dem Gewinn der Hessenmeisterschaft in Eschwege im letzten Heimspiel (31:29-Sieg gegen den TuS Dotzheim) mit angriffslustigen roten Meister-T-Shirts gezeigt und sich dabei auf der Rückseite mit der vielsagenden Aufschrift „In Kleenheim ist alles anders!“ präsentiert. Mit nur drei Niederlagen und zwei Remis waren die Kleenheimer vor der SG Wallau durch das Ziel in der Oberliga gegangen. „Wir haben Überragendes geleistet“, lobte Meistertrainer Walter Don, der mit seinem Co-Trainer Bodo Schindel auch im dritten Jahr die Verantwortung trägt.
Neu bei den Kleenheimern ist die Erweiterung des Trainer-Teams. Mit dem oberliga- und regionalligaerfahrenen ehemaligen Torhüter Lothar Haas wurde nicht nur ein Torwart-Trainer verpflichtet, sondern mit dem früheren Spieler und Trainer Markus Häuser auch wieder ein überaus beliebter und sympathischer Coach in das Trainer-Team geholt. Das Trio teilt sich die Trainingsarbeit des 15-köpfigen Kaders.
Das Trainer-Team hat sicherlich die Mannschaft gut vorbereitet, hat beispielsweise im August dem Team nur acht freie Tage gelassen, musste aber den Test beim TV Nieder-Olm als viertes Spiel in vier
Tagen wegen Verletzungsproblemen von mindestens fünf Spielern absagen. Neben den Verletzungssorgen sind es vor allem auch berufliche Gründe, die etwa das Fehlen von Spielmacher Dennis Köhler, der zudem auch verletzt war, oder von Florian Eisenhardt, Torhüter „Matze“ Lang oder Jörg Müller in der Vorbereitung erschwerten.
Berufliche Gründe von Spielern könnten auch ein Problem bei den langen Auswärtsfahrten in der Ost-Gruppe der 3. Liga, wo neben Kleenheim mit Nachbar HSG Pohlheim, der HSG Gensungen/Felsberg, Eintracht Baunatal und der TSG Münster insgesamt nur fünf hessische Klubs spielen, aber 7624 Reisekilometer in den 15 Auswärtsspielen mit zum Teil 15-stündigem Zeitaufwand anstehen.
Vielen Beobachtern nötigt das Kleenheimer Konzept, die Vorgehensweise den „Überlebenskampf“ in der mit zahlreichen in- und ausländischen Ex-Profis und Profis besetzten Klasse aufzunehmen, den allergrößten Respekt ab. „Wir haben und werden mit den Jungs arbeiten und arbeiten, dann müssen wir sehen, was dabei herauskommt“, lautet das Credo von Trainer Walter Don, dem vielfach die Ergebnisse in der Vorbereitungszeit „nicht so wichtig waren“, weil er erfahrene Coach immer wieder probieren und experimentieren wollte und meistens allen Spielern Einsatzzeiten gewährte.